Was macht die Kunst?! Victor Castillo

Frustration und Wut als Antriebsfeder für künstlerisches Schaffen kommt ja häufiger vor. Manch wunderbares Buch ist schon aus genau diesen Motiven entstanden, bei denen der Autor 20 Jahre später auf seine von diesen elementaren Empfindungen geprägte Jugend zurückblickt, diese schonungslos offen zu Papier bringt und sich damit einen Stern am Literaturhimmel sichert. Der chilenische Maler Victor Castillo benennt ebenfalls enttäuschende Erfahrungen in seinem Heimatland als prägend für seinen Stil aus Frustration und Wut. Er paart ihn mit einem sehr dunklen Sinn für Humor.

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Castillo ist ein Pop-Surrealist mit erkennbar stilistischen Referenzen an Vintage-Comics, Animationen und populäre Medien. Seine Werke verweben auf sinnbildliche und erzählerische Weise die aktuellen Weltkrisen zu post-apokalyptischen Darstellungen – Gier, Chaos, Brutalität und Zerstörung sind häufige Themen in seiner Arbeit. Die Protagonisten seiner Bilder sind Kinder mit leeren Augen, eine Metapher des Künstlers für Ignoranz. Nach eigenen Aussagen ist der Maler an der Schaffung zugänglicher Kunst interessiert, er selbst sei keine finstere Person, wenngleich seine Arbeiten auf gegenteiliges schließen lassen könnten. Victor Castillo vergleicht seine Arbeit auch mehr mit der eines Musikers anstelle der eines Intellektuellen: Als er Kunst studierte, fühlte er, daß ihn das formte aber auch beschränkte. Die Wut darüber machte ihn zum Kunstrebell. Er versuchte einen gewissen Abstand zu Theorie und den Institutionen zu erlangen und Werke zu schaffen, die nicht für Theoretiker und Intellektuelle sondern für jedermann gedacht sind.

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Victor Castillo erkundet die menschliche Natur in ihrer Gesamtheit: das Grauenvolle und das Hoffnungsvolle. „Ich denke, dass die Brutalität die Gesellschaft geprägt hat trotz der Tatsache, dass es große Künstler, Wissenschaftler, Intellektuelle gegeben hat… Was überwiegt sind die Interessen einiger weniger, die anstatt eine Gesellschaft mit nachhaltiger Zukunft zu schaffen die Gesellschaft direkt in Richtung Kollaps stürzen.“ Was Castillo in seinen Bildern in Bezug auf Macht zeigt, reflektiert seine Vision der Wirklichkeit. „Ich glaube, dass die Welt ein wunderbarer Ort ist, der beschädigt wurde. Das Leben ist schön, aber das soziale System ist beschädigt und pervers. Es gibt keine Macht ohne Verschwörung. Wir sind dafür verantwortlich, was durch unsere Handlungen und Unterlassungen geschieht. Zum Beispiel der Krieg – er ist eine der größten schrecklichsten Verschwörungen, und ich bin der Ansicht von Noam Chomsky, wenn er sagt, dass in diesem Land, wenn alle Bürger aufständen und Nein zu Krieg sagten, wäre es nicht möglich, in andere Länder einzumarschieren.“

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Blindheit, im Sinne von Unwissenheit, ist ein großes Thema in Victor Castillos Arbeiten. Seine blinden Augen gehen auf Karikaturen aus den 40ern und 50ern zurück. Diese maskenhaften schwarzen Flecken lassen jegliches Bewußtsein vermissen. Er malt vordergründig Kinder, die als Spiegelbilder der Betrachter dienen. Die Welt der Kinder und die der Erwachsenen sind getrennte Universen. Doch ist die Kinderwelt nicht frei von Indoktrination und die beschädigten Erwachsenen werfen ihre Schatten hinein.

Written-Forgotten-2014@wowxwow.com

Victor Castillo wurde 1973 in Santiago de Chile geboren und wuchs unter der Militärdiktatur Augusto Pinochets auf. Seine Werke sind geprägt von den düsteren Zeiten seines Landes, von der Unterdrückung, der Zensur und der Verfolgung, aber auch vom starken Einfluß der USA und deren Kultur auf Chile in dieser Epoche. Ab 1991 besuchte er verschiedene Kunstschulen. Er verließ sie alle, enttäuscht, bis er auf der schlechtest möglichen endete: Die Katholische Schule der Künste (ARCIS). Die Unvereinbarkeiten waren so groß, daß er schließlich von dort verwiesen wurde. „Sie können sich vorstellen, wie es sich anfühlt, Kunst in einem Ort zu studieren, wo man nicht über Sex, Religion oder Politik reden kann. Es macht keinen Sinn. “ 2004 kam Castillo nach Barcelona, Spanien. 2010 zog er nach Los Angeles, wo er heute lebt und arbeitet.

Pure_Pleasure_2014@victor-castillo.com

New Design: Quartino

Quartino ist der Name dieses faltbaren Tisches. Er bekam seinen Namen nach dem italienischen Begriff aus dem Grafikdesign für einen zweifach gefalteten Bogen Papier. Gebaut haben ihn die Italiener Ivano und Andrea Campardo.

Quartino Table, Quelle: www.industrialdesigners.tumblr.com

Quartino Table, Quelle: www.industrialdesigners.tumblr.com

Durch ein spannendes System von Winkeln läßt sich Quartino auffalten. Zwei Tische verbergen sich in diesem einem Objekt. Quartino ändert sich von seiner rechteckigen Form (800 x 1600 mm) in ein Quadrat (1600 x 1600 mm), wird so zu einer neuen Form und steht damit einer erweiterten Nutzung offen. Der Beistelltisch entwickelt sich zum Eßtisch. Multifunktionalität – ein Vorteil von Möbeln bei begrenztem Raumangebot.
Das Tischgestell von Quartino ist aus Buchenholz gefertigt. Seine zwei farbigen Oberflächen – in blau und rot – sind mit glänzendem Laminat bezogen.

tavolo-portfolio-11@tankboys.biz

tavolo-portfolio-2@tankboys.biz

Bislang wurde dieser Tisch nur für einen privaten Auftrag gebaut, wahrscheinlich vorerst ein Einzelstück. Kontaktdaten der beiden Erbauer konnte ich leider noch nicht in Erfahrung bringen, über Hilfe hierzu wäre ich dankbar.

Was macht die Kunst?! Oliver Jeffers – Dipped Paintings

Ich entdeckte dieses Bild auf Pinterest und war sofort angetan.

Oliver_Jeffers_without-a-doubt@oliverjeffers.com

Geschaffen hat es der irische Künstler Oliver Jeffers, der in Belfast, Nordirland geborenen wurde und nun in Brooklyn, New York lebt und arbeitet. Er fertigt Portraits von verschiedenen Menschen und entzieht seine ausdrucksstarken Arbeiten danach dem Betrachter, indem er sie in farbigen Lack taucht. Übrig bleibt ein kleines Stück Gemälde, das mit einer großen Farbfläche kollidiert. Das Gemalte wird unbegreifbar, unergründlich und ist für alle Zeiten nicht mehr vollständig. Es bleibt ein Bruchstück übrig, ähnlich einem Erinnerungsfetzen. Genau darum geht es Oliver Jeffers. Denn alle Portraitierten eint, daß sie einen schmerzlichen Verlust verarbeiten müssen. Ihre Erzählungen schreibt der Künstler auf großen Bögen und bedeckt sie beim Farbbad mit dem heruntertropfenden Lack gleich mit. Das wirklich Gesehene und Erinnerte hat kein Bild und keinen Ort.

Oliver_Jeffers_Jeri@oliverjeffers.com

Oliver_Jeffers_without-a-doubt_2@oliverjeffers.com

Oliver_Jeffers_Doreen@oliverjeffers.com

Oliver_Jeffers_dip10@oliverjeffers.com

Während des zeremoniell inszenierten Farbbades werden keine Fotos von den ursprünglichen Gemälden geduldet. Die einzigen Menschen, die das Portrait in seiner Gesamtheit sehen, ist das kleine Publikum, das zu diesem Event eingeladen wurde. Nachdem es in den Lack getaucht wurde, existiert das Bild nur noch in deren Erinnerung.

Oliver_Jeffers_dip9@oliverjeffers.com

Oliver_Jeffers_dip8@oliverjeffers.com

Oliver_Jeffers_dip1@oliverjeffers.com

Oliver Jeffers bespielt viele Genres: er malt figurativ, macht Installationen, illustriert und erstellt Bilderbücher. Seine markante Gemälde wurden in mehreren Galerien, darunter die Lazarides Gallery und die National Portrait Gallery in London, das Brooklyn Museum und die Spring Break Fair (Armory Week) in New York sowie bei Gestalten Space in Berlin, ausgestellt. Seine Bilderbücher – zwei davon #1-NY Times Bestseller – wurden in über 30 Sprachen übersetzt. In Zusammenarbeit mit Studio AKA wurde zu Olivers zweitem Buch „Lost and Found“ ein animierter Kurzfilm entwickelt, der mehr als sechzig Auszeichnungen, darunter einen BAFTA für den besten animierten Kurzfilm erhielt. Zu seinen Auszeichnungen für Bilderbücher zählt die der The New York Times für Best Illustrated Books, die Smarties-Auszeichnung, die für das irische Buch des Jahres, der Red House Book Award, der British Book Design Award und der Blue Peter Book Of The Year. Oliver gewann desweiteren einen Emmy im Jahre 2010 für seine gemeinsame Arbeit mit dem Künstler und Regisseur Mac Premo. 2013 führte Oliver Co-Regie mit Mac Premo für das Video zu „Ordinary Love“ von U2 und gestaltete das Artwork für U2s Innocence and Experience World Tour. Im folgenden Video erklärt der Künstler seine Arbeit an den Dipped Paintings.

The Dipped Painting Project from Oliver Jeffers on Vimeo.

New Design: Blue Goose Verpackungsdesign

Blue Goose ist eine kanadische Bio- & natürliche Lebensmittelmarke, die eine sog. vertikale Integration praktiziert. Sie lebt von der Philosophie, dass, wenn Sie sich um Ihr Land und Ihre Tiere kümmern, werden die sich auch um Sie kümmern. Blue Goose produziert derzeit organisches und natürliches Rindfleisch, Geflügel sowie Fisch für den kanadischen Markt. 1992 wurde das Unternehmen von Doug Sinclair in Cariboo, British Columbia, gegründet, der die Entscheidung traf, seine Familie fortan mit guten Produkten selbst zu versorgen.

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BlueGoose_02@nationaltraveller.com

Der Designer Sid Lee entwickelte für Blue Goose die Markenpräsenz, ihre Identität und das Verpackungsdesign. Gemeinsam mit dem Illustrator Ben Kwok aus Los Angeles entwickelte er die Verpackungen für Rind, Huhn und Fisch, wobei deren Zeichnungen auf den Produkten wahre Kunstwerke sind. So ansprechend verpackte Lebensmittel habe ich auf dem deutschen Markt noch nicht gesehen. Ben Kwok ist bekannt für sehr aufwendige Tierzeichnungen. Er ist Absolvent der California State University in Long Beach und arbeitet für viele international bekannte Marken.

 

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Das Blue Goose-Logo ist ein eigenständiges Objekt, das am besten funktioniert, wenn man es mit den hübschen typographischen Ideen kombiniert. Aber die Zeichnungen sind das, was die Identität der Marke ausmacht. Die detaillierte Darstellung heiterer, friedvoller Szenen innerhalb der Tiere definiert Blue Goose als Hersteller hochqualitativer Produkte. Bei der Verpackung kommen alle Gestaltungselemente zusammen ohne Konfusionen. Nichts wirkt überladen, nichts springt einen aggressiv an: Blue Goose-Logo, die Wortmarke, eine Illustration, die Inhaltsangabe sonst nur das frische Produkt. Geordnet durch und durch. Desweiteren ist die Verwendung von dunkelblauer Farbe auf hellem Grund einheitlich auf allen Verpackungen ein weiterer, sehr gut funktionierender Indikator für das Gefühl ein luxuriöses Produkt in den Händen zu halten.

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Was macht die Kunst?! Mária Švarbová – Swimming Pool

Von Hallenbädern geht eine Faszination aus. Sie sind ein Ort jenseits der Zeit. Alles ist blau und weit. Ein von der Außenwelt abgeschotteter Raum, in dem Klarheit, Sauberkeit und puristische Ästhetik herrscht. Man taucht im wahrsten Sinne des Wortes in eine andere Welt ein.

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Die Fotos aus der Serie Swimming Pool von Mária Švarbová sind traumgleiche Wirklichkeit. Der Fokus liegt auf Minimalismus und Reinheit. Die Pastellfarben und die surrealistischen Elemente lösen Gefühle aus. Die Bilder erinnern mich an alte verblichene Polaroidfotos. Sie sehen vintage aus, sind aber von heute. Man könnte spontan auch an Gemälde denken. Mir gefällt der Bildaufbau und daß zwischen den pastosen Traum-Nebeln ein kräftiger Farbpunkt hier und da heraussticht.

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Mária Švarbová weiß in ihren Arbeiten Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ihr Stil ist clean, kalt, streng – ihre Bilder sind exakte Kompositionen, athmosphärisch dicht, minimalistisch und haarscharf bemessen. Es ist Surrealismus, der die Grenzen des gesetzten Realismus nicht überschreitet, nur ein kleiner Schritt daneben.
Die Protoagonisten sind allein in den Untiefen ihrer Umgebung. Sie verharren in ihrer Bewegung. Die Farben sind weich, die Pastelltöne sind verschwommen, gedimmt, wie ein blinder Nebel, der die Gedanken verlangsamt und die Wahrnehmung der Dinge berauscht. Den Verstand verlieren in dieser Luftblase ist einfach und seltsam, heimtückisch, aber fesselnd. Man hat Angst, aber man kann sich nicht bewegen.

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Mária Švarbová wurde 1988 in Bratislava, Slovakei geboren. Sie ist studierte Restauratorin und Archeologin und fotografiert seit 2010. Márias Arbeiten waren u.a. bereits in der amerikanischen Vogue und auf den Covers des Fotografie-Magazins DODHO sowie der Zeitschrift FotoVideo. Sie gewann die Goldmedaille des größten Fotografie-Salons Trierenberg Super Circuit in Österreich. Demnächst startet ihre Ausstellungstour durch 80 Gallerien weltweit.

Maria_Svarbova_Swimmingpool_04@mariasvarbova.com

New Design: Prism Nightlight

Das Prism Nightlight ist eine Nachttischlampe, die der amerikanische Deisgner Nicholas Baker designt hat. Das Nachtlicht kommt ohne Schalter und Kabel aus. Es wird mit Batterien betrieben und wird durch Kippen wie eine Wippe ein- und ausgeschaltet.

Prism@nicholas-baker.com

Die Herausforderung bei Prism war, eine Nachtbeleuchtung zu schaffen, die es leicht macht, sich zu orientieren und den Lichtschalter zu finden, dabei aber nicht das Gehirn in voller Aktivität stimuliert, wenn man mitten in der Nacht aufwacht. Normale Nachttischlampen haben einen Drehschalter oder kleine Kippschalter. Normale Lampen sind ebenfalls sehr hell, was das Gehirn stimuliert und es einem schwieriger macht, wieder einzuschlafen. Das Prism Nightlight löst diese Probleme durch einen simplen Kippmechanismus. Das Licht leuchtet auf, wenn man die Leuchte kippt, was es viel leichter macht wenn man im Dunklen nach dem Lichtschalter tastet. Das Licht wird genug gedimmt, um das Gehirn nicht zu stimulieren, ist aber hell genug, um den Bereich um einen herum zu beleuchten. Schöne Idee.

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Prism02@nicholas-baker.com

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Nicholas Baker war Student am Savannah College of Art and Design (SCAD) in Georgia und wurde gebeten, ein Produkt inspiriert von den Idealen eines bemerkenswerten Designers zu schaffen. Baker wählte den Designer Naoto Fukasawa, dessen „ohne Gedanken“-Philosophie darauf abzielte, die dem Objekt innewohnenden Möglichkeiten kenntlich zu machen, so daß die Menschen, die mit den Objekten interagieren daran das Design erkennen.

Prism04@nicholas-baker.com

Was macht die Kunst?! Céline Germés

Die Bilder von Céline Germès sind mir beim Frühjahrsrundgang in Leipzigs Spinnerei aufgefallen. Dort wurde ich in eine Bildwelt hineingezogen, die mich spontan an Filmdokumentationen über Unruhen in einigen europäischen Großstädten vor kurzer Zeit erinnerten. Wütende Jugendliche auf den Straßen von Kopenhagen oder Paris, die Schaufenster einschlugen und Feuer legten. Rauch- und Nebelschwaden auf dunklen Straßen waren wie die Fußabdrücke der gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Genau so sieht die Kulisse auf Céline Germès Bildern aus. Undeutlich, verzerrt, voller Nebel – wie mit unruhiger Hand mit dem Handy fotografiert.

Celine_Germes_Street4_2016@galeriemokum.com

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Dazwischen gibt es Werke, die die Protagonisten deutlich zeigen. Auflehnung, Gruppendynamik – inszenierte Jugendkultur. Der Stein wurde geworfen, das Pferd ist gestürzt. Momentaufnahmen, die in stimmungsvolles Licht getaucht vorm Dunklen der Nacht an Theaterszenen erinnern. Oder an Fotografie. Doch mit der Fotografie hat die Künstlerin aufgehört, weil das Medium digitalisiert wurde. Die Unmittelbarkeit, der Überraschungsmoment ging verloren.

Celine-Germes-UntitledCrowd_2013@galeriemokum.com

Celine_Germes_Sortie-de-scène-2-2015@galeriemokum.com

Celine_Germes_Sortie-de-scène-1_2015@galeriemokum.com

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Céline Germès arbeitet mit verschiedenen Vorlagen aus Zeitungen oder Internetdatenbanken. Das können Zeugnisse historischen Geschehens oder auch private, aus dem täglichen Leben herausgezogene, Erinnerungen sein. „Die Zeit ist auf meiner Seite. Bilder sind in Bewegung – immer.“, sagt die Künstlerin. Sie malt, um den Fluß der Bewegung einige Zeit lang aufzuhalten, ihn einzufrieren und zu analysieren. Der Blick bleibt fotografisch neutral. „Die Handlung erscheint da, wo die Gesten verschwinden.“

Celine_Germes_Untitled_Window_2013@cargocollective.com

Céline Germès wurde 1978 geboren. Sie hat an der Kunsthochschule in Marseille (Frankreich) studiert. Sie lebt und arbeitet heute in Leipzig und Toulouse.

 

New Design: Egg Map

Alte Karten oder auch neue Stadtpläne haben ihren Reiz. Wenn sie aufgefaltet flach auf dem Wohnzimmerboden liegen und man darüber kriechend die nächste Reiseroute durch den schwedischen Wald festlegt. Doch unterwegs haben wir sicher alle schon einmal unsere Nerven verloren durch diese überdimensionalen Faltpläne. Während wir eigentlich die Schönheiten der Umgebung ansehen wollen, kämpfen wir mit Himmelsrichtungen und dem Papierwust.

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Man kann natürlich zum Handy greifen und digitale Karten nutzen. Doch der ungarische Industriedesigner Dénes Sátor dachte sich, daß das keinen Spaß macht. Zumal ein Handy auch geübten Händen entgleiten und herunterfallen kann. Ein etwaiger Sturz auf das historische Pflaster der angesagten Metropole macht der Egg Map hingegen gar nichts aus. Man kann sie quetschen, treten, an die Wand werfen – die Egg Map ist dank ihrer Flexibilität einfach unzerstörbar. Sie ist zu 100 % mit Luft gefüllt, damit wiegt sie so gut wie nichts. Zudem ist sie aus wasserfestem Material gefertigt, um Regen, Schlamm und Schnee zu trotzen.

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Die mobile analoge Karte aus weichem Material paßt perfekt in die Hand und hat manuelles Zoomen – einfach durch Quetschen. Der Stadtplan ist so auf der Egg Map aufgebracht, daß jedes Viertel seine eigene Farbe hat. Durch detailliertes Quetschen zoomt man tiefer in die Karte hinein und findet mehr Informationen über Sehenswürdigkeiten, öffentlichen Nahverkehr oder die nächstliegenden Restaurants. Der Effekt ist genial: man drückt das bunte Ei, ein Stadtplan wird sichtbar. Dann quetscht man noch ein wenig weiter und sieht ein detailliertes Straßennetz. Man zoomt sich ein Detail heran und bekommt noch nützliche Touristentipps.

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Die Egg Map gewann 2015 als kreativstes Projekt den Highlights of Hungary Contest.

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Pre-Order und Bestellung auch für Deine Stadt unter: https://www.facebook.com/eggmaps

Was macht die Kunst?! Kai Samuels-Davis

Irgendwann einmal werde ich mich an Portraits satt gesehen haben. Irgendwann. Doch nicht heute. Die Gesichter, die Kai Samuels-Davis uns in seinen Arbeiten zeigt, sind ja auch gar nicht da. Sie wenden sich ab, sind nicht lesbar.

K_S_D_TheSearch,-Beginning2014_IntoUnconscious2015@www.kaisamuelsdavis.com

K_S_D_HeadToTheGround2014_ADeepBreath2015@www.kaisamuelsdavis.com

K_S_D_TheWait2015_TheSkyBelow2013@www.kaisamuelsdavis.com

Der Künstler hat die Gesichter seiner Protagonisten fragmentarisiert, sie in Bewegungen unkenntlich gemacht oder schlichtweg partiell mit Farbe verdeckt. Doch bevor das sein Markenzeichen wurde, hat Kai Samuels-Davis genau hingeschaut. Seine früheren Arbeiten zeigen einen direkten Blick auf die Emotionen seiner Portraitierten. Emotional berührende Gesichter schauen den Betrachter an. Und wenden sie sich ab, erkennt man dennoch in ihrer Mimik eine komplexe Gefühlswelt. Die späteren Arbeiten sind geprägt von Verzerrungen, die den Balanceakt zwischen Verstörtheit und Klarheit betonen. Die Personen sind nicht mehr greifbar, schwanken zwischen geistig und körperlich. Es sind komplexe, melancholische Portraits.

K_S_D_ByMorningLight2015_TheForgotton2014@www.kaisamuelsdavis.com

K_S_D_AnotherPlace2015_TheMemory2015@www.kaisamuelsdavis.com

K_S_D_TheDecision2013_TheBeginning2013@www.kaisamuelsdavis.com

Kai Samuels-Davis ist ein aus New York stammender Künster, der an der State University of NY Kunst studiert hat. Er ist der Ehemann der Malerin Clare Elsässer, mit der er in Inverness, Californien lebt.

K_S_D_WithTiredEyes2012_TheSuppression2011@www.kaisamuelsdavis.com

K_S_D_TheOtherV2010_TheReflectedII2009@www.kaisamuelsdavis.com

New Design: Plastik recyceln

Wir sind tagtäglich von Plastik umgeben. Unser Essen steckt in Plastikschachteln, das Smartphone-Case ist aus Plastik, wir tragen Plastiktüten mit uns, das Bio-Duschbad ist in Plastikflaschen abgefüllt, die Verteilerdose ist aus Plastik, das Autolenkrad ist aus Plastik… Und wenn die Dinge nicht mehr verwendet werden, landen sie auf dem Müll und damit in unserer schönen Umwelt. So eine Plastikflasche braucht etwa 450 Jahre bis sie verrottet ist. Aber nicht alle Vorkommen des Kunststoffes können wir mit unseren Kaufentscheidungen verhindern. Recycling ist der global einsetzbare Schlüssel, um der Überfüllung mit Plastikmüll entgegenzuwirken. Hier zwei umgesetzte Ideen dazu:

Der Amerikaner Carter Zufelt suchte nach einer praktischen Lösung und fand ein Verfahren, das alte Plastiktüten zu Objekten macht, die schön und nützlich sind.

Sein erstes Projekt war die Entwicklung zweier Möbel – ein Schemel und ein Beistelltischchen –  welche nationale Anerkennung sowie weitere Auszeichnungen bekamen. Carter Zufelt gewann den Design-Kunst-Wettbewerb von Utah sowie den von den Flint Studios ausgelobten Award. Das entstandene marmorartige Material hat er nun auch zu verschieden geformten Behältern und Blocks verarbeitet, die in seiner Serie „Müll“ zusammengefaßt sind.

seniorproject@carterzufelt.com

Cubes+1@carterzufelt.com

Muell@design-milk.com

Neue Gegenstände aus altem Material zu machen ist eine großartige Idee. „Das müßte jeder machen können, nicht nur große Unternehmen“, dachte sich Dave Hakkens aus den Niederlanden. Er entwickelte mit „Precious Plastic“ eine Reihe von DIY-Maschinen, die unerwünschten Kunststoffmüll in nutzbare Objekte und Rohmaterial verwandeln helfen.

Dave Hakkens baute die Maschinen so, dass sie zu Hause aus universellen Materialien und mit grundlegenden Werkzeugen auf der ganzen Welt nachgemacht werden können. Das Know-How wurde online zur Verfügung gestellt einschließlich der Baupläne, einer Reihe von detaillierten Lehr-Videos sowie des Download-Kits. Alles wird über Open-Source geteilt, in der Hoffnung, dass die Nutzer die Informationen teilen, die Sie bei ihrer eigenen Recycling- und produktiven Arbeit gewonnen haben.

Precious-Plastic-Dave-Hakkens01@design-milk.com

Precious-Plastic-Dave-Hakkens02@design-milk.com

Precious-Plastic-Dave-Hakkens03@design-milk.com